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Überfordert mit dem Hund


Aber es sollte doch alles so schön werden... Überforderte Hundehalter und warum nicht immer alles so schlimm ist, wie es sich manchmal anfühlt. Alles sollte so schön werden, der Hund, der beste Freund des Menschen, läuft freudig nebenher über die grüne Wiese und himmelt dabei seinen Besitzer an. Er ignoriert Artgenossen, er jagt natürlich nicht und kommt auf den ersten Pfiff mit wehenden Ohren herangerast. Er holt morgens die Zeitung herein, klaut nicht vom Tisch, passt auf das Haus auf und spielt mit den Kindern. So schön diese Vorstellungen vielleicht auch klingen mögen, sie sind in der Gesamtheit völlig utopisch. Manche Ideen haben wir aus Filmen oder Büchern unbewusst übernommen und dann trifft uns die Realität unvorbereitet und heftig. „Das habe ich mir alles anders vorgestellt“, solche Sätze höre ich als Hundetrainerin häufig und die Beispiele sind mannigfaltig und die Enttäuschung bei den betreffenden Hundehaltern groß:Ich erinnere mich an Ersthundehalter, die am Telefon in Tränen ausbrachen, weil die schöne Welpenzeit in der Hauptsache aus gefressenen Schuhen, angenagten Couchgarnituren und Häufchen in der Küche bestand. Ausgemalt hatte sich die Familie das neue Leben mit Hund in bunten Farben: dem Welpen beim schlafen zusehen, mit ihm über den Rasen tollen und gemütlich im Gras sitzen, während man mit dem kleinen Hündchen voller Eifer „Sitz“ und „Platz“ übt.

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Dann zieht der Wunschhund endlich ein, alles ist vorbereitet, Bücher wurden gelesen und eine Hundeschule ausgesucht, und doch ist nichts so, wie man es sich vorgestellt hat. Der Welpe will nicht kuscheln, schlafen sowieso nicht, die Kinder verstehen nicht, warum der Welpe immer wegrennt und ständig tritt man im Haus in eine Pfütze. Letzte Woche hat er eines der Kinder angeknurrt, weil er sich einen stibitzten Schuh nicht abnehmen lassen wollte.
Gerade bei Welpen unterschätzt man schnell, dass sie so viel Arbeit machen können. Ich habe junge Familien im Training, die dachten es sei eine gute Idee, jetzt wo die Kinder noch klein sind, einen Welpen ins Haus zu holen. Dass ein Hundebaby mindestens soviel Arbeit macht wie ein Kleinkind, dafür aber schärfere Zähne hat, gerne Dinge ankaut und eben nicht in die Windel, sondern auch mal hinter die Couch macht, wurde leider nicht berücksichtigt. Mich kontaktieren erfahrene Hundehalter, die sich nach dem Tod eines Hundes einen neuen Hund geholt haben, der aber so ganz anders ist als der alte. Im Erstgespräch geht es dann nicht um den Hund, wegen dem sie mich gerufen haben, sondern sie schwelgen in Erinnerung, wie schön es damals mit Fiffi war und wie einfach und wie schwierig und stur der neue Hund nun ist. So hatten sie sich das nicht vorgestellt. Das Ehepaar, welches sich, entgegen meines zuvor eingeholten Rates, einen Zweithund zum vorhandenen Hund holte, in der Hoffnung, dass der Ersthund dann besser allein bleiben kann.
Sie haben nun zwei Hunde mit Trennungsstress und sind enttäuscht, dass die vom Nachbarn propagierte Lösung einfach nicht funktionieren will. Dabei hatten sie sich das so einfach vorgestellt.Oder das junge Paar, die sich einen Zweithund holten, mit dem Gedanken, dem Ersthund etwas Gutes zu tun. Der war aber als Einzelhund ganz glücklich und macht nun seinen Unmut deutlich, in dem er „den Neuen“ begrenzt wo er kann, häufig muss man in bestimmten Situationen trennen und die herbeigesehnte Harmonie und die tiefe Freundschaft zwischen den Hunden will sich einfach nicht einstellen. Es ist schwieriger geworden, im Leben des Paares.Die Tierschützer, die einen Hund „von der Straße gerettet“ haben und der sich nun so gar nicht an das Stadtleben gewöhnen kann und Konflikte hat mit Fremden, Hunden und dem gesamten Alltag einer Stadt. Er ist einfach nicht dankbar für seine Rettung sondern steckt voller Ängste, die das Leben seiner Besitzer massiv einschränkt. So war das nicht gedacht. Ich kenne Hundesportler, die importierten den „besten“ Agility, Discdog- oder sonstigen Sport-Nachwuchshund... und dann erbrachte dieser aber nicht die Leistungen, die man sich versprochen hat. Der Hund „taugt“ nicht für den geplanten Sport, ist nun aber da und die Enttäuschung groß.Screenshot 20210109 182702 United Kiosk Library Die freigeräumte Fläche für die Pokale, die der Hund bringen sollte, wird leer bleiben. Die junge Therapeutin, die sich einen Hütehund als „Therapiehund“ zugelegt hat, der dann aber gar nicht die Nervenstärke hat, um das leisten zu können, was von ihm gefordert wird. Aus einer schlechten Zucht, mit massivem Trennungsstress und einem aversiven Training hat er unter der Anspannung bereits gebissen. Dabei sollte er doch so schön bei den Therapiesitzungen mit dabei sein und seine Besitzerin unterstützen. Doch der Hund ist ein Nervenbündel und da er nicht alleinbleiben kann und auch sonst nicht so „funktioniert“ wie man sich das vorher ausgemalt hatte, ist er nun eine Belastung geworden. Menschen, die sich in solchen Situationen Hilfe holen, sind gefrustet und tief enttäuscht, weil die Erwartungen und Hoffnungen sich nicht erfüllt haben. Je nachdem welcher Typ Mensch da vor mir steht, ist manchmal der Hund der „Schuldige“, manchmal zerfleischen sich die Menschen, weil sie glauben, einfach nicht gut genug zu sein und genug zu leisten. Das Gute ist: Nichts davon entspricht der Wahrheit. In Augenblicken von enttäuschten Erwartungen sind wir einfach nicht in der Lage, die Situation objektiv zu betrachten.
Dabei können wohlmeinende Außenstehendende oder ein guter Trainer helfen. Schon die Oma hat immer gesagt: Nix wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird ;) Als Hundetrainerin benötigt man dann viel Empathie. Hier geht es darum in Gesamtheit zu unterstützen und nicht nur darum, dem Hund ein bestimmtes Verhalten beizubringen.
Die Hundehalter, die sich Hilfe holen, haben so manches mal schon ungutes feedback bekommen: „Das ist doch logisch, das genau diese Konstellation Probleme macht“, „das hätte ich Dir vorher sagen können“. Screenshot 20210109 182704 United Kiosk Library
Nachbarn, Arbeitskollegen, Familie und andere Hundehalter sind manchmal die stärksten Kritiker. Besonders schlimm ist es häufig, wenn die betroffenen Hundebesitzer in facebook Gruppen um Hilfe gebeten haben, die Hemmschwelle sinkt, wenn man sein Gegenüber nicht persönlich erreicht und so manches mal sind Kritik und Beschimpfungen eins. Hilfreich sind solche Bemerkungen nicht und dass es nicht gut läuft, haben die Halter ja schon mitbekommen, sonst würden sie ja nicht fragen. Ich kenne das Gefühl der Frustration, man möchte heulen, weil es einfach nicht so läuft wie man sich das erwünscht hat. Enttäuschte Erwartungen tun einfach weh, es ist völlig egal, welchen Bereich sie betreffen. Das ist kein theoretisches Wissen, nein, das habe ich mir ehrlich selbst erworben. Auch ich habe Situationen mit meinen Hunden erlebt, die ich mir anders gewünscht hätte. Sie haben sich anders entwickelt als ich mir das vorgestellt hatte und Lebenssituationen sind schwieriger geworden, als ich mir das jemals hätte vorstellen können. Zu meinem großen Glück hatte ich sowohl gute Hundetrainer als auch einen guten Menschen-Coach an meiner Seite, die mich durch schwierige Abschnitte begleitet haben.
Und das ist ganz wichtig: Holen Sie sich Hilfe, wenn Sie gefrustet sind, wenn Sie das Gefühl haben, nichts läuft so, wie es sollte. Sie brauchen einen Blick von außen. Einen Menschen, der Ihnen wirklich helfen kann und der Sie nicht verurteilt aufgrund der vermeintlichen Fehler, die der Hund oder Sie machen. Wir fokussieren uns oft auf die Dinge, die nicht so laufen wie wir uns das wünschen. Dadurch geraten wir in eine ungute Spirale: wir werden immer nur noch mehr Dinge sehen, die nicht so sind, wie wir sie eigentlich gewünscht hatten. Auf diese Art blockieren wir uns selbst. Unser Schulsystem und wie wir erzogen wurden, hat daran einen nicht unerheblichen Anteil. Das Hauptaugenmerk bei all unseren Leistungen liegt so gut wie immer auf den Fehlern, die wir machen.
Erinnere ich mich an meine eigene Schulzeit, fällt mir das leider auch auf. Ich war eine gute Schülerin, ich musste nie viel lernen, ich kam gut mit und schrieb in den Fächern, die mich interessierten, sehr gute Noten.
So waren meine Zeugnisse auch immer gut, aber es gab auch eine obligatorische 4 in Erdkunde oder Chemie. Obwohl ich für die damalige Zeit schon sehr fortschrittliche Eltern hatte, kam nach einem kurzen „Wirklich, ein schönes Zeugnis“ immer ein „aber hier mit der vier, da musst Du noch mal gucken. Da musst Du ein bißchen mehr machen, mehr üben, dass muss doch wirklich nicht sein“.
Screenshot 20210109 182706 United Kiosk LibraryDer Fokus lag also eindeutig auf der vier in Erdkunde, nicht auf der eins in Deutsch oder in Mathe. Sämtliche Verwandte und Großeltern reagierten ebenso. Mir hat das, rückblickend, Gott sei Dank, nicht so viel ausgemacht. Aber es gibt Kinder, die bekommen den Eindruck, sie sind nie genug und sie fangen an, von sich aus, auch den Fokus auf die Dinge zu legen, die sie eben nicht gut können.Was kann man denn dagegen tun? Habe ich also als Trainerin ein Mensch-Hund-Team vor mir und der Mensch hat mir sein Leid geklagt, frage ich gerne nach, was sie denn an Ihrem Hund liebenswert finden. Was macht er toll, was macht ihm Freude, was kann er denn schon gut? Ich möchte, dass wir uns Gedanken machen, was alles gut läuft und wie wir das ausweiten können, anstelle dass wir weiter die Defizite betrachten.
Denn dann blockieren wir.
Ich habe Hundehalter im Training, die sich wirklich festgefahren haben. Der Hund bellt am Zaun die Nachbarn an. Immer. Frage ich, was der Hund denn stattdessen tun soll, kommt häufig „Der soll das lassen“. Sich vorzustellen, was er tun soll, anstelle zu bellen, ist ein ganz wichtiger Schritt.
Ich frage dann nochmal gerne nach: „Was soll er denn tun?“. Bleibt die Antwort dann gleich, gebe ich die ein oder andere Idee vor: „Soll der Hund vielleicht zu Ihnen kommen, anstelle zu bellen?“
Sobald wir eine Idee haben, WAS der Hund tun könnte, haben wir tatsächlich auch schon einen Plan, welches Alternativverhalten wir dem Hund beibringen können. So sind wir nicht mehr festgefahren in „Hör damit auf!“, sondern können einen Plan machen, was wir trainieren können.
So weiß der Hund schnell, was denn wirklich gewünscht ist und der Mensch merkt, das sein Training greift. Gemeinsame Erfolgserlebnisse sind so wichtig für eine gute Partnerschaft.Wenn Sie also in so einer Falle stecken, gefrustet sind und enttäuscht, weil es so ganz anders läuft als gewünscht lehnen Sie sich zurück und überlegen, was Ihnen an Ihrem Hund gut gefällt. Was er gut kann, woran er Spaß hat und was sie zusammen gemeinsam unternehmen. Screenshot 20210109 182709 United Kiosk Library
Jeden Abend, schreiben Sie drei schöne Erlebnisse die Sie an diesem Tag mit Ihrem Hund zusammen hatten, auf. Das mag Ihnen in den ersten Tagen schwerfallen, aber Sie werden sehen, dass es nur eine kurze Zeit der Übung braucht, bis Sie gelernt haben, Ihr Augenmerk auf die schönen Erlebnisse zu lenken. Über den Tag hinweg werden Sie nach guten Erlebnissen Ausschau halten, die Sie abends aufschreiben können und so leicht lenken Sie selbst Ihren Fokus auf ein viel wichtigeres Ziel: Die guten Dinge wahrzunehmen.Objektivieren Sie Ihr Training: Wenn Sie zum Beispiel einen Hund haben, der es noch nicht schafft, ruhig und neutral in allen Hundebegegnungen zu reagieren, dann arbeiten Sie im Training mit einfachen Strichlisten. Dieses Gefühl, dass das gewünschte Verhalten nicht besser wird, kennen wir alle. Um Training effizient zu machen, müssen wir auswerten können ob das tatsächlich so ist, oder ob wir in einer Negativspirale stecken, und unsere Fortschritte nur nicht sehen können.
Ich empfehle auf einem kleinen Block zwei Spalten zu machen. Links einen Strich für jede einzelne Hundebegegnung machen und rechts daneben einen Strich für jedes mal, wenn der Hund tatsächlich gepöbelt hat. Haben wir also zu Beginn sowohl rechts als auch links je zehn Striche, dann ist klar, hier ist ordentlich Trainingsbedarf. Nach sechs Wochen Training ist das Gefühl des Halters häufig „der pöbelt immer noch“, schauen wir aber auf die Strichliste und sehen: Zehn Hundebegegnungen, drei Pöbeleien, dann können wir objektiv beurteilen, dass das Training greift. So wird es für den Besitzer leichter wahrzunehmen welche Fortschritte die beiden schon als Team gemacht haben. Lassen Sie sich Mut zusprechen oder sprechen Sie sich selbst Mut zu.
Ich weiß, dass klingt im ersten Augenblick albern, aber Sie können das allein daheim machen, es muss ja niemand zuhören. Machen Sie sich bewusst, was Sie schon alles in Ihrem Leben geschafft haben und sagen Sie sich, dass das nur eine kleine Herausforderung dagegen ist. Das Sie das schaffen und dabei Dinge lernen, die Sie bisher noch nicht konnten.
Ich erinnere mich sehr lebhaft an einen älteren Herren, der „seit 50 Jahren“ Hundehalter war und nun mit einem jungen Münsterländer völlig überfordert zu mir ins Einzeltraining kam. Alles was bei seinen anderen Hunden, mit massivem Zwang, immer funktioniert hatte, klappte bei diesem Hund nicht. Dieses wunderbare, lebendige Kerlchen entzog sich einfach und ein wohlmeinender Freund brachte ihn zu mir, um mal eine andere Richtung auszuprobieren.
Screenshot 20210109 182711 United Kiosk LibraryDieser Mann hatte große Sorgen, dass ich ihn für dumm halten könnte, weil er so viele Fragen stellte und war sehr verzweifelt, weil all das, was er über Hunde zu wissen glaubte, bei diesem Exemplar nicht funktionierte. Obwohl er doch schon seit über 50 Jahren Hunde ausbildete.
Ich fand es wunderbar, dass ihm dieser Hund nun nach 50 Jahren Erziehung mit Druck und Zwang, dazu brachte, einen ganz anderen Weg zu gehen und so wurde aus dem großen Frust eine Erfahrung und eine neue Art mit einem Hund zu arbeiten. Im Nachhinein verriet er mir, dass er diese Clickerei für großen Unsinn gehalten habe, aber jetzt zu sehen, wie gern sein Hund mit ihm arbeite, würde ihn doch vieles in der Vergangenheit überdenken lassen.
So manches was also am Anfang aussieht wie ein unüberwindbares Hindernis, wird zum Aussichtspunkt. Loben Sie sich! Wenn Sie in brenzligen Situationen besonnen reagiert haben und Ihrem Hund geholfen haben, wenn Sie sich nicht über die Pipi-Pfütze des Welpen in der Küche geärgert haben, sondern für den nächsten Morgen den Wecker etwas eher gestellt haben, dann nehmen Sie das wohlwollend mit sich zur Kenntnis. Wir sind so oft selbstkritisch und manchmal tragen wir uns schlechte Entscheidungen viel zu lange nach. Seien Sie so gut und so freundlich mit sich, wie sie es wären, wenn Ihre beste Freundin, Ihr Kind, Ihre Mutter Ihnen von dem Erlebnis berichten würden.

Kunden sagen im Training oft: „Jetzt hab ich schon wieder falsch reagiert, ich hab es schon wieder falsch gemacht“ und ich weise sie dann gern darauf hin, dass sie den Fehler nun aber doch ganz allein bemerkt hätten und sie damit nun ein großes Stück weiter wären als zuvor. Zu erkennen was falsch läuft ist ein großartiger Schritt in die richtige Richtung. Und diese Erkenntnis als das wahrzunehmen was sie ist, eine simple Information, wird sie von nun an weiterbringen. Denn jetzt können sie den Fehler den sie selbst erkennen, aktiv vermeiden. Ergreifen Sie die Flucht nach vorne und sprechen Sie mit den Menschen, die vom Verhalten Ihres Hundes betroffen sind. Screenshot 20210109 182713 United Kiosk Library
Ihr Hund bellt nach dem Umzug auf einmal bei jedem Geräusch im Hausflur? Klassisches „Das hat er ja noch nie gemacht“. Klingeln Sie bei den neuen Nachbarn, schildern Sie die Situation und bitten Sie um Verständnis. Wenn das nicht so Ihr Ding ist, schreiben Sie einen netten Brief an alle, am besten mit einem besonders niedlichen Foto ihres Hundes und vielleicht einer kleinen Praline und verteilen die Briefe im Haus. In unserer Vorstellung ist die Reaktion unserer Mitmenschen auf unerwünschtes Verhalten viel schlimmer, als es in der Realität ist. So nimmt man Sie verantwortungsbewusst wahr und ist sicher verständnisvoll mit Ihnen. Machen Sie sich bewusst, dass der Hund am wenigsten für Ihren Frust und Ihre Unzufriedenheit kann. Sie haben den Hund ausgesucht, mit den Vorstellungen die Sie hatten. Von denen wusste der Hund nichts, sonst hätte er vielleicht gleich abgewunken und Ihnen mitgeteilt, dass Agility nicht seins ist, er nicht als Schulhund arbeiten möchte, er einfach nicht so ist wie sein Vorgänger und auch nicht plant so zu werden. Ich möchte jedem einzelnen von Ihnen, der diesen Artikel jetzt grade liest und gefrustet ist, enttäuscht von seinen Erwartungen, von seinem Leben mit Hund, Mut zusprechen.
Es wird besser werden. Atmen Sie, überlegen Sie, was für Sie und Ihr Zusammenleben mit Hund wirklich wichtig ist. Machen Sie sich einen Plan, holen Sie sich Unterstützung und schauen Sie auf das, was sie schon erreicht haben. Viele Dinge, die schief gehen, enthalten soviel Komik. Nicht immer kann man sofort darüber lachen, aber warten Sie mal ab, von wie vielen Dinge Sie mit einem Lächeln berichten, wenn Ihr Hund alt und grau neben Ihnen liegt. Gerade in stressigen Phasen, in denen es Ihnen schwerfällt etwas positives in all dem Frust zu finden:
Atmen Sie durch, finden Sie etwas, was Ihnen und dem Hund gleichermaßen Spaß macht und konzentrieren Sie sich eine Weile nur darauf, eine gute Zeit miteinander zu haben. Wechseln Sie die Perspektive und schauen Sie auf die großartige Seite des Hundehalterdaseins.
Wenn Sie auf diese Weise Kraft schöpfen, schaffen Sie danach auch wieder die Hürden gemeinsam. Und bedenken Sie immer:
Screenshot 20210109 182716 United Kiosk LibraryJeder Hund handelt nur im Rahmen seiner Möglichkeiten, es ist unsere Aufgabe, seinen Rahmen zu vergrößern.
Wir als Trainer helfen Ihnen, den Ihren zu vergrößern. Als kleine Anekdote zum Schluss:
Meine Windhündin Benda zog 2003 bei mir ein. Von vielen schönen Vorstellungen die ich vom Leben mit Hund hatte, musste ich mich verabschieden.
Sie hat geklaut wie ein Rabe, konnte Schränke und Türen öffnen und war jederzeit bereit, dieses Wissen für ihre ganz persönlichen Zwecke zu nutzen. Ich war „gezwungen“ mehr über Hundeverhalten zu lernen, als ich mir vorstellen konnte und stellte fest, wie spannend und bereichernd das war.
Unzählige lustige Filmhundetricks hat sie mit mir erarbeitet, bei denen ich lernte punktgenau zu bestätigen und mein Training zu optimieren. Zahllose Shows habe ich mit ihr gemacht und ich habe viele DVDs von TV-Auftritten hier, die ich mit ihr machen durfte.
Wir haben Kindern das Verhalten von Hunden näher gebracht und ohne diese völlig verrückte Hündin, die sich einfach nicht so entwickelte wie geplant, wäre ich niemals Trainerin geworden.
Heute, rückblickend auf all die vermeintlichen Enttäuschungen und den Frust den ich mit meinen Hunden erlebt habe, kann ich sagen: jedes einzelne Erlebnis hat mich vorangebracht. Das hat sich nicht immer gleich gut angefühlt und ich hab so manches mal geheult, aber heute kann ich sagen: Danke an meine wunderbaren, unperfekten Hunde, dass ihr mich hierhin gebracht habt.
Ich heule bestimmt mit dem neuen Welpen auch wieder. Und dann atme ich und hinterher wird es wieder großartig.
Und wenn ich das kann, dann können Sie das auch.
Alles Gute für Sie.

Erschienen in der SitzPlatzFuss 36, Juli 2019
Autorin: Manuela Zaitz
Bilder mit freundlicher Genehmigung des Cadmos VerlagesScreenshot 20210109 182719 United Kiosk Library